Schreiben im Fachunterricht der Sekundarstufe I unter Einbeziehung des Türkischen - Eine empirische Studie zur Wirksamkeit von schreibfördernden Konzepten im Fachunterricht und im Herkunftssprachenunterricht Türkisch (SchriFT II)

Projektvorstellung

Forschungsleitend bleibt die Grundannahme, dass textsortenbasiertes, epistemisches Schreiben, das systematisch sprachlich-kognitive Handlungsmuster (wie BESCHREIBEN, ERKLÄREN oder BEGRÜNDEN) mit sprachlichem Ausdruckswissen verbindet, ein wirksames Mittel für die Förderung von sprach- und fachintegriertem Lernen bietet. Über die sprachlich-kognitiven Handlungsmuster besteht die Möglichkeit eines fach- und sprachübergreifend koordinierten Vorgehens. Der koordinierte Ausbau literaler Kompetenzen auch in der Herkunftssprache dient – so unsere weitere forschungsleitende These - im Anschluss an Befunde der Mehrsprachigkeitsforschung dem Aufbau einer übergreifenden Kognitionsfähigkeit.

In der ersten Projektphase konnte das SchriFT- Modell zur textsortenbasierten Förderung sprachlicher und fachlich-konzeptueller Kompetenzen mit Blick auf fach- und sprachübergreifende sowie fach- und sprachspezifische Kompetenzen ein- und mehrsprachiger SuS validiert werden. Die durchgeführten Testungen weisen dabei einen mittleren Zusammenhang zwischen fachsprachlichen und fachinhaltlichen Dimensionen in den erhobenen Schreibprodukten für alle vier beteiligten Fächer (Physik, Technik, Politik, Geschichte) nach. Die Befunde legen nun für das Folgeprojekt nahe, dass die Aneignung und Vermittlung fachspezifischer Schreibkompetenzen textsortenbezogen im Fachunterricht erfolgen sollten. Die Befunde zeigen zudem Transfereffekte auf der Ebene der sprachlichen Handlungen zwischen den fachsprachlichen Fähigkeiten und den fachübergreifenden, bildungssprachlichen Fähigkeiten der SuS in Deutsch und in Türkisch. Der Nachweis derartiger Transfereffekte kann als Grundlage für eine koordinierte Sprachförderung in allen Fächern dienen und soll in der 2. Projektphase empirisch überprüft werden.

Wie und was wird untersucht?

Geplant ist ein an die Schulrealitäten angepasstes, quasi-experimentelles Design für alle bislang beteiligten Fächer (Physik, Technik, Geschichte, Politik, Deutsch, Türkisch) an Gesamtschulen in den Jahrgangsstufen 7 und 8. Dabei wird die Wirkung einer gezielten Schreibförderung auf die Schreibkompetenzen im Fachunterricht untersucht. Für die Messung der Kompetenzentwicklung werden in allen Fächern und beiden Sprachen vergleichbare Schreibaufgaben zu den Textsorten eingesetzt, die stets die drei sprachlichen Handlungen BESCHREIBEN, ERKLÄREN und BEGRÜNDEN als Teilbereiche umfassen. Diese sind eingebettet in situierte Schreibarrangements, die nach den Prinzipien des Scaffolding, d.h. mit sprachlichen Unterstützungsmaßnahmen, aufgebaut sind. Das Forschungsprojekt weist zugleich einen hohen Praxisbezug auf, da Unterrichtsmodelle und -materialien in Hinblick auf ihre Wirksamkeit empirisch überprüft und Konzepte für eine fachorientierte, vernetzte und biliterale Sprachbildung vorgelegt werden.

Geplante Ergebnisse

Aus linguistischer Perspektive werden die Projektergebnisse zu einem besseren Verständnis beitragen, welche Faktoren für den langfristigen Erhalt herkunftssprachlicher Kompetenzen verantwortlich sind. Die Ergebnisse werden direkt in Empfehlungen für die ressourcenorientierte Gestaltung von herkunftssprach­lichem Unterricht einfließen, die von den Lehrkräften unter Begleitung der Projektmitarbeiter(innen) durchgeführt, evaluiert und für die zu entwickelnden Unterrichtshandreichungen dokumentiert werden. Die gewonnenen Ergebnisse dürften vor allem bei Lehrkräften auf große Akzeptanz stoßen. Die Dokumentation der Interventionen in Form von Unterrichtshandreichungen mit Best-Practice-Beispielen und das angeleitete Durchspielen ähnlicher Szenarien in Lehrerfortbildungen sollte es den Lehrenden ermöglichen, entsprechende Sequenzen in ihrer eigenen Unterrichtspraxis einzusetzen. Die konkreten Empfehlungen sollen am Ende in die für den gesamten Verbund geplante Broschüre mit praxisrelevanten Projektergebnissen einfließen.

Was bedeutet das für die Praxis?