Neue Publikationen aus dem MIKS-Projekt

Im Rahmen des Schwerpunktprojekts "Dissemination eines Professionalisierungs- und Schulentwicklungskonzepts in Zeiten der Neuzuwanderung" (MIKS II) unter der Leitung von Prof. Dr. Sara Fürstenau und Dr. Katrin Huxel sind in diesem Jahr einige interessante Artikel entstanden (und veröffentlicht worden):

Dlugaj, Jessica / Fürstenau, Sara (2019): Does the use of migrant languages in German primary schools transform language orders? Findings from ethnographic classroom investigations, Ethnography and Education, DOI: 10.1080/17457823.2019.1582348

Können sprachliche Ordnungen in der Schule und im Unterricht verändert werden, wenn alle Sprachen der Kinder für das Lehren und Lernen genutzt werden? Auf der Grundlage ethnographischer Unterrichtsbeobachtung betrachtet der Artikel mehrsprachige Praktiken auf der Mikroebene der Interaktionen in einer ausgewählten Schulklasse. In dieser Klasse scheint mehrsprachiges Handeln zur Normalität zu werden. Es bleibt die Frage, an welche Grenzen die Entwicklung einer mehrsprachigen Unterrichts- und Schulkultur innerhalb der gegebenen strukturellen Rahmenbedingungen stößt.

Fürstenau, Sara (2019): Mehrsprachige Schriftkultur. Wie Grundschulklassen aus ihrem Repertoire schöpfen können. In: Die Grundschulzeitschrift, Heft 317/2019, S. 2-7.

In diesem Beitrag für die Praxis wird gezeigt, dass mehrsprachige Aktivitäten in vielen MIKS-Projektschulen zu einer Erweiterung des gemeinschaftlichen sprachlichen Repertoires von Lerngruppen geführt haben. Es werden Einblicke in eine Unterrichtseinheit, in der Kinder ein mehrsprachiges Bilderbuch herstellen, eröffnet.

Gilham, Polly / Fürstenau, Sara (2019): The relationship between teachers‘ language experience and their inclusion of pupils’ home languages in school life. In: Language and Education. DOI 10.1080/09500782.2019.1668008.

In der MIKS-Qualifizierung sind Lehrkräfte in Grundschulen dabei unterstützt worden, alle Sprachen der Kinder in ihren Unterricht einzubeziehen. Welche Bedeutung haben Erfahrungen, die die Lehrkräfte selbst mit verschiedenen Sprachen und mit dem Sprachenlernen gemacht haben? Dieser Frage wird auf der Grundlage von Beobachtungsprotokollen der Fortbildungstage mit den Lehrkräften nachgegangen. Die Ergebnisse zeigen, dass eigene Erfahrungen und sprachbezogene Emotionen die Bereitschaft der Lehrkräfte, sich auf die Sprachen der Schülerinnen und Schüler einzulassen, beeinflussen.

Huxel, Katrin (2019): Der Einbezug von Mehrsprachigkeit als Teil einer diskriminierungskritischen, diversitätssensiblen Schulentwicklung. In: Zeitschrift für Diversitätsforschung und -management. Themenschwerpunkt: Diversitäts‐ und Antidiskriminierungskonzepte im Feld von Schule und Migration – Erfordernisse, Spannungen und Widersprüche (im Druck).

Der Artikel beschäftigt sich mit der Bedeutung der Anerkennung von Mehrsprachigkeit in der Schule. Einerseits ist diese Anerkennung notwendig für die Bestimmung von Bildungsgerechtigkeit, andererseits sind Anerkennungspraxen in Machtverhältnisse eingebettet, die u. a. Unterschiede zwischen Mehrheitssprache und Minderheitensprachen betreffen. Die Ambivalenz der Anerkennung wird anhand von Unterrichtsbeobachtungen diskutiert.

Lange, Imke (2019): MIKS - ein inklusives Professionalisierungs- und Schulentwicklungskonzept im Handlungsfeld Mehrsprachigkeit. In: QfI - Qualifizierung für Inklusion, demnächst online: http://www.qfi-oz.de/

Der Artikel erläutert die theoretischen Grundlagen und Inhalte der MIKS-Qualifizierung für Grundschulkollegien. Er eröffnet darüber hinaus Einblicke in die Entwicklungsprozesse, die in den Projektschulen im Handlungsfeld Mehrsprachigkeit beobachtet werden konnten. Das Fazit lautet: „Professionalisierung und Entwicklung finden am ehesten dort statt, wo alle Beteiligten neue und gute Erfahrungen im konstruktiven Umgang mit Mehrsprachigkeit machen“.

Des Weiteren freuen wir uns schon auf die Veröffentlichung des folgenden Sammelbandbeitrags:

Ticheloven, Anouk / Schwenke-Lam, Trang / Fürstenau, Sara (2020): Multilingual teaching practices in German primary classrooms: language comparisons. In: Kirsch, Claudine & Duarte, Joana (Eds). Multilingual approaches for teaching and learning. From acknowledging to capitalising on multilingualism in European mainstream education. Abingdon: Routledge (erscheint 2020 ).

Die Mehrsprachigkeitsdidaktik empfiehlt Sprachvergleiche als Handlungsansatz, um die Familiensprachen der Kinder im Unterricht einzubinden. Allerdings ist kaum untersucht worden, ob und wie Sprachvergleiche in mehrsprachigen Grundschulklassen tatsächlich eingesetzt werden. In einer Fragebogenerhebung in den MIKS-Projektschulen gaben zwei Drittel der befragten Lehrkräfte an, Sprachvergleiche im Unterricht durchzuführen. Wie Lehrkräfte Sprachvergleiche gestalten, wird in dem Artikel auf der Grundlage von Unterrichtsprotokollen untersucht. Ausgehend von den Unterrichtsbeobachtungen werden drei Formen des Lehrerhandelns unterschieden und illustriert: Lehrkräfte reagieren auf Sprachvergleiche der Kinder (1), Lehrkräfte initiieren spontane Sprachvergleiche (2) oder Lehrkräfte planen Sprachvergleiche als Teil der Unterrichtsvorbereitung (3).

 

(01.10.2019, ig)