Förderung der Deutsch-Lesekompetenz durch mehrsprachigkeitssensibles Reziprokes Lehren im Grundschulunterricht (meRLe)

Projektvorstellung

Ziel der Interventionsstudie meRLe ist es, die Deutsch-Lesekompetenz von Grundschulkindern zu fördern und dabei migrationsbedingte Mehrsprachigkeit in den Klassen zu berücksichtigen. Im Rahmen des Vorhabens sollen neue Erkenntnisse dazu gewonnen werden, wie mehrsprachigkeitssensibles Reziprokes Lehren von Lehrkräften im Grundschulunterricht eingesetzt werden kann und welche Wirkungen sich nachweisen lassen. Beim Reziproken Lehren erwerben Schülerinnen und Schüler in wechselnden Rollen und mit wechselnden Aufgaben Lese- und Lernstrategien. Zunächst instruiert und modelliert eine die Lehrkraft die Strategien und unterstützt die Schülerinnen und Schüler bei der Anwendung. Anschließend üben die Schülerinnen und Schülern gemeinsam und in reziproken Rollen die Strategien weiter ein. Die vor allem im Bereich des Lesens angewendete Instruktionsmethode bezieht sich traditionell auf vier Strategien: Klären, Fragen formulieren, Zusammenfassen und Vorhersagen. Das Reziproke Lehren soll in einen mehrsprachigkeitssensiblen Unterricht eingebettet werden, sodass Kinder mit Migrationshintergrund auch unter Einbezug ihrer Herkunftssprachen lernen können. In der Vorläuferstudie BiPeer zeigte sich bereits, dass türkisch-deutsch bilinguale Grundschulkinder von einem entsprechenden Training profitieren.

Wie und was wird untersucht?

Das Projekt meRLe ist eine Interventionsstudie an Grundschulen im Großraum Frankfurt am Main und Wuppertal. Teilnehmende Lehrkräfte werden in mehrtätigen Workshops in Prinzipien des Reziproken Lehrens und eines mehrsprachigkeitssensiblen Unterrichts geschult. Anschließend sollen sie das mehrsprachigkeitssensible Reziproke Lehren zur Förderung des Leseverstehens in ihrem Deutsch Unterricht einsetzen. Eine zweite Gruppe von Lehrkräften nimmt ebenso an den Fortbildungen teil, jedoch ein paar Monate später (Warte-Kontrollgruppe). Begleitende Erhebungen (Befragungen, Beobachtungen, Testungen und Videographien) in beiden Gruppen vor, während und nach der Intervention sollen neue Erkenntnisse zum Einsatz und der Wirksamkeit von mehrsprachigkeitssensiblem Reziproken Lehrens ermöglichen. Eine besonders für den Transfer relevante Stärke von meRLe besteht wie schon beim Projekt BiPeer darin, dass der Rückgriff auf die herkunftssprachlichen Ressourcen der Kinder ermöglicht wird, ohne dass die Lehrkraft selbst mehrsprachig sein muss.

Geplante Ergebnisse

Das Vorhaben meRLe generiert neue Erkenntnisse darüber, wie Lehrkräfte die Deutsch-Lesekompetenz bei Grundschulkindern durch Reziprokes Lehren und die Eröffnung mehrsprachiger Kommunikationsangebote im Unterricht fördern können. Die begleitenden Erhebungen ermöglichen differenziertere Aussagen dazu, inwieweit und unter welchen Bedingungen Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler das Angebot annehmen, sodass sich hieraus wiederum konkrete Hinweise für die Schulpraxis ableiten lassen. Darüber hinaus lassen sich bestehende Befunde zum Reziproken Lehren um den Aspekt der Mehrsprachigkeit erweitern und dann eingehender untersuchen, welche Kinder von dem Vorhaben profitieren. Die teilnehmenden Lehrkräfte erhalten eine kostenlose wissenschaftlich fundierte Fortbildung und Unterrichtsmaterialien. Darüber hinaus können sie die Fortbildungskonzepte für weitere Vorhaben an ihrer Schule nutzen und nach Bedarf adaptieren.

Was bedeutet das für die Praxis?