Webinar zu den Qualitätsstandards in der qualitativen Forschung am 09.02.2016

Dozentin: Doren Prinz, Juniorprofessorin Universität Hamburg

Die in der quantitativen Forschung etablierten Gütekriterien Validität, Reliabilität und Objektivität und die damit verbundenen Forschungsstandards können aus Sicht von qualitativ Forschenden nicht direkt auf den Bereich der qualitativen Forschung übertragen werden (Mayring, 2012). Diese Standards werden aber u.a. von der American Educational Research Association (AERA, 2006) als grundlegend für qualitativ hochwertige Forschung erachtet. Die Standards umfassen allgemeine Ablaufschritte, die sukzessive aufeinander folgen. Dies sind die Skizzierung des Forschungsproblems, die Darstellung des aktuellen Forschungsstandes, des Design, der Stichprobe, der Instrumente, die Darstellung der Datenanalyse und die Ergebnisdarstellung, die Interpretation dieser Ergebnisse sowie die transparente Darlegung der vorgenommenen Generalisierungen. Dabei wird im Rahmen quantitativer Forschung insbesondere auf die transparente Darstellung des Vorgehens sowie die kritische Prüfung aller Schritte – im Besonderen aber dem der Interpretation – Wert gelegt.

Mayring und zahlreiche weitere Autoren plädieren für die Verankerung entsprechender Standards in der qualitativen Forschung und damit für die Auseinandersetzung mit speziellen Gütekriterien.

Innerhalb der wissenschaftlichen Community wird die Debatte um konkrete Gütekriterien im Rahmen qualitativer empirischer Arbeiten ebenso kontrovers geführt und stellt sich dreigliedrig dar (Madill, Jordan & Shirley, 2000). Die Positionen reichen von gänzlicher Ablehnung jedweder Kriterien bis zur Übernahme und Modifikation von Gütekriterien aus der quantitativen Forschung. Insgesamt lehnt aber der Mainstream innerhalb der qualitativen Community die Übernahme von Gütekriterien aus der quantitativen Forschung ab und fordert eine doppelte Gegenstandsangemessenheit (vgl. Flick, 2010). Dabei sollte nicht nur die Methode dem erforschten Gegenstand angemessen sein, sondern darüber hinaus sollten auch die Kriterien der Bewertung den eingesetzten Methoden gerecht werden können.

Entsprechend dieser Darstellungen sollen im Rahmen des Webinars zunächst die geforderten Standards und anschließend gegenstandsangemessene Gütekriterien für die qualitative Forschung vorgestellt werden.

Literatur:

American Association for Educational Research AERA (2006). Standards for reporting on empirical social science research in AERA publications. Educational Researcher, 35, 33–40.

Flick, U. (2010). Triangulation in der qualitativen Forschung. In U. Flick, E. von Kardorff &
I. Steinke (Hrsg.), Qualitative Forschung. Ein Handbuch (8. Aufl.) (S. 309–318). Reinbek: Rowohlt.

Madill, A., Jordan, A. & Shirley, C. (2000). Objectivity an reliability in qualitative analysis. British Journal of Psychology, 91 (1), 1-20.

Mayring, P. (2012). Mixed Methods – ein Plädoyer für gemeinsame Forschungsstandards qualitativer und quantitativer Methoden. In M. Gläser-Zikuda, T. Seidel, C. Rohlfs,
A. Gröschner & S. Ziegelbauer (Hrsg.), Mixed Methods in der empirischen Bildungsforschung (S. 287–300). Münster: Waxmann.

Bei Interesse einer Teilnahme melden Sie sich bitte unter kombi at uni-hamburg.de

(28.01.2016, ah)