Sprachenbildung im Mathematikunterricht unter Berücksichtigung der Mehrsprachigkeit – Strategien mehrsprachigen Handelns in mathematischen Lehr-Lern-Prozessen von Bildungsinländern und Neu-Zugewanderten (MuM-Multi 2)

Projektvorstellung

Die Forderung nach Einbezug mehrsprachiger Ressourcen in schulische Lernprozesse hat nicht zuletzt durch die hohe Zahl Neu-Zugewanderter weitere Aktualität gewonnen. Trotz dieser großen und aktuellen Relevanz liegen für den Fachunterricht aller Schulfächer bislang wenig Konzepte und empirische Erkenntnisse vor, wie der Einbezug mehrsprachiger Ressourcen in sprachlich heterogenen Klassen zu gestalten ist, und welche Wirkungen dies auf die fachlichen Verstehensprozesse haben kann.

Das Projekt MuM-Multi 2 setzt sich daher zum Ziel, alltagstaugliche Konzepte und Beiträge zur Theoriebildung einer Didaktik des mehrsprachigen Fachunterrichts zu entwickeln. Es setzt das Vorgängerprojekt MuM-Multi 1 fort.

Wie und was wird untersucht

Arbeitsbereich A: Analyse und Vergleich von Leistungs- und Hintergrunddaten von ein- und mehrsprachigen Bildungsinländern und mehrsprachigen Neu-Zugewanderten.

Arbeitsbereich B: Initiierung von mehrsprachigen kooperativen Aufgabenbearbeitungen in Kleingruppen für n = 21 Neu-Zugewanderte. Vergleichende Analyse mit den vorliegenden Video-Daten der n = 41 deutsch-türkischen Bildungsinländern aus MuM-Multi 1, und zwar hinsichtlich der diskursiv aktivierten Formen und Strategien mehrsprachigen Handelns und ihrer situativen Wirkungen auf die fachlichen Verstehensprozesse.

Arbeitsbereich C: Entwicklung und Erforschung regulären Mathematikunterrichts in sprachlich heterogenen Klassen, und zwar im Forschungsrahmen von Design Research (Prediger, Gravemeijer & Confrey 2015). Mit drei Designexperimentzyklen werden 3 x 2 Klassen je vier Stunden lang zur Integration und Erprobung verschiedener Formen und Strategien mehrsprachigen Handelns angeregt und in zyklischer Entfaltung beobachtet.

Geplante Ergebnisse

Als Ertrag leitet sich mit Blick auf Sprachfördermaßnahmen eine differentielle Einschät­zung ab, wie lohnend die systematische Aktivierung von mehrsprachigen Ressourcen für die Verstehensprozessierung sind und inwieweit sich diese Aktivierung auch für mehrsprachige Bildungsinländer und Neu-Zugewanderte als probate Förderung erweist. Darüber hinaus wird ein Konzept für eine Implementierung in den schulischen Alltag heterogener Klassen erprobt. Theoretisch wird ein Beitrag zur Bestimmung mehrsprachigen Handelns im Fachunterricht am Beispiel mathematischen Konzeptverstehens in transdisziplinärer Weise ausformuliert, sodass sich curriculare Konsequenzen und Lehrerausbildungskonzepte darauf gründen lassen.